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Buchvorstellung "Autsch! Gesammelte SadoMasoMärchen"
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  23-01-2018 19:00 23-01-2018 19:00 69  Gelesen 69 Gelesen
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"Autsch! Gesammelte SadoMasoMärchen" Erotische Geschichten von Neo Occam.



Aufregung in der Feenamtlichen Märchenverwaltung! Anstößigste erotische Entgleisungen gefährden den Ausgang anständiger Märchen. Nur der hartgesottene Serendip kann noch helfen. Doch der professionelle Weltenretter will sich zur Ruhe setzen. Fee Lylla lockt mit einem unwiderstehlichen Angebot: Bringt er die Märchen zu einem Happy End, darf er in seinem eigenen die Prinzessin seines Herzens erobern.

Zuckersüße Romantik trifft auf deftige Ausschweifungen. Und überall blühen malerisch sadomasochistische Praktiken. Ein kurzweiliges, nicht ganz ernst gemeintes Abenteuer abseits ausgetretener Genrepfade.


Die ersten drei Abenteuer der Reihe "Autsch! SadoMasoMärchen" vereint in einem Band, weitere folgen in losen Abständen.
Erotische, humoristische, satirische BDSM-Märchen für Erwachsene. Eine Reihe jeweils in sich abgeschlossener Abenteuer, die durch eine Rahmenhandlung miteinander verbunden sind.
Der Text schafft eine absonderliche Märchenwelt voller verschrobener Charaktere und skurriler Begebenheiten. Er verschränkt platten Nonsens mit hintergründigem Witz, zuckersüß-kitschige Romantik mit Obszönitäten und BDSM-Praktiken. Nebenbei wartet er mit absurden Lösungen für grundlegende Lebensfragen auf. Eigennamen sind Programm, spiegeln die Handlung und den Charakter ihrer Träger.
Die Handlung spielt in einem idealtypischen Mittelalter. In einer weitgehend fiktiven Welt, geo-grafisch anzusiedeln im heutigen Europa nördlich und südlich der Alpen, gegliedert in eine bunte Vielfalt an Königreichen.



Leseprobe:



Die Reitsklavin


Nach einer Nacht in der Schenke begann unser Held am folgenden Morgen sein neues Leben mit einem opulenten Gabelfrühstück. Es war ein nicht auszuhalten schöner Maimorgen im Königreich Cinderelien, wie geschaffen, mitten in ein – sein! – jungfräuliches Märchen hineinzureiten. Die übrigen würde er im Handumdrehen nebenbei erledigen. Er band seine üppige blonde Löwenmähne zu einem Pferdeschwanz, wie er es seit jeher zu tun pflegte, wenn er in ein neues Märchen aufbrach. Er gürtete sein Schwert Balsam, „Das Weitum Gefürchtete“, von dem noch zu berichten sein wird, schwang sich auf sein treues brünettes Ross Erdmuthe, „Die Viel Besungene“, über die auch hier nicht geschwiegen werden wird, nahm dankbar das Lunchpaket, das der Wirt ihm hatte bereiten lassen, und brach, gestärkt mit einem Gläschen Holunderblütensekt, frohen Mutes nach Sinth auf. Niemand hatte auch nur die leiseste Ahnung, wo das sagenhafte Reich zu finden sein mochte. Also überließ Serendip seiner gemächlich dahin trabenden Erdmuthe die Zügel, ab und an seufzend in Gedanken an seine Auserwählte schwelgend, in der sicheren Gewissheit, alles Weitere werde sich märchenhaft fügen.
Serendip war weit in der Welt herumgekommen wie kaum einer. Nie zuvor Gesehenes hatte er erblickt, Unerhörtes erlebt. Das seltsame Gespann indes, das ihn einige Meilen später jäh aus seinen Gedanken riss, verblüffte selbst ihn.
Im Unterholz des den Weg säumenden Waldes rumorte es. Eine junge Frau sprang vor Erdmuthe in schnellem Lauf aus dem Gehölz auf die Straße. Ihr Rock war über den Po hinauf gerafft, von den Fesseln bis zur Taille entblößend, was zu entblößen sich zu Beginn eines anständigen Märchens wie diesem nicht ziemte. Auf ihren Schultern saß ein spindeldürrer Greis in klobigen Reitstiefeln. Der krallte sich mit einer Hand in ihre üppige Lockenpracht. Mit der Reitgerte in der anderen schlug er ungestüm auf ihr nacktes Hinterteil ein. Als sei der Quälerei noch nicht genug, gab er ihren zarten Flanken tüchtig die Sporen.
„Bleib auf der Straße, du störrisches Luder!“, schimpfte er.
„Auauauauauau!“ jammerte sie.
Schon waren die beiden in wildem Zickzack hinter der nächsten Biegung verschwunden.
,Regt es dich auf, geht es dich an!‘, hatte die Fee gesagt. Sollte Serendip sich über die schamlose öffentliche Entblößung unter zumindest zweifelhaften Umständen aufregen? Er setzte den beiden nach. Im gestreckten Galopp holte Erdmuthe sie geschwind ein. Auf gleicher Höhe mit ihnen packte Serendip den Alten am Kragen, riss ihn in hohem Bogen von seinem menschlichen Ross und brachte sein eigenes zum Stehen. An Serendips ausgestrecktem Arm baumelte zeternd und mit der Gerte wild um sich fuchtelnd der verhinderte Reiter. Die unversehens reiterlose junge Dame zeigte sich alles andere als dankbar. Sie verbiss sich in eine Wade ihres Retters. Der griff die rabiate Beißerin mit seiner freien Hand und hielt sie sich mit ausgestrecktem Arm vom Leib. Nun erst bemerkte er den Reitsattel auf ihren schmalen Schultern. Fest umschnürten dessen straff gespannte Gurte ihren Busen. So saß unser bärenstarker Held mitten auf der Straße auf seinem Pferd, am einen Arm einen wütenden Alten, am anderen eine nicht minder echauffierte junge Dame. Anstand und guter Geschmack verbieten es, die unfeinen Worte wiederzugeben, mit denen ihn beide lautstark beschimpften. Geduldig wartete Serendip, bis das seltsame Gespann sich beruhigt hatte.
„Gestattet, mich euch vorzustellen“, eröffnete er das Gespräch. „Ich heiße Serendip und bin auf dem Weg in das Königreich Sinth. In meiner Eigenschaft als Weltenretter kann ich die öffentliche Entblößung und Misshandlung einer holden Jungfer nicht dulden! Ich erwäge ernsthaft, mich aufzuregen! Sprecht! Was geht hier vor?“
„Mein Name ist Perpedes“, entgegnete der Greis unwirsch. „Ich will den dreisten Überfall entschuldigen, wenn du mich unverzüglich zurück auf meine Reitsklavin setzt. Mein Arzt verschrieb mir viel Bewegung an frischer Luft, welche mir zu verschaffen ich im Begriffe war, als du mich unsanft aus dem Sattel rissest!“
Er hielt Serendip ein Dokument entgegen: ein ärztliches Attest. Es bescheinigte Perpedes eine akute Altersbösartigkeit in Verbindung mit einer fortschreitenden Versteifung des verlängerten Rückens, wogegen im Rahmen der ambulanten Altenpflege ein täglicher Ausritt auf einer diplomierten Pflegefachkraft angeraten sei. Da gab es nichts zu beanstanden. Serendip gab die Sklavin frei. Mit folgenden Worten setzte er Perpedes zurück auf ihre Schultern:
„Verzeih mir, werter Perpedes. Gegen einen ärztlich verordneten Ausritt ist selbstverständlich nichts einzuwenden.“
Kein Grund zur Aufregung also. Das ging ihn nichts an. Das war nicht sein Märchen.
„Du bist selbst schuld daran, dass sie dich biss“, entgegnete der Alte nicht ohne Schadenfreude. „Mit der Disziplin hapert es noch“, fügte er versöhnlich hinzu, während er sich im Sattel zurechtsetzte.
„Mich biss sie, als ich ihr die Trense anlegen wollte. Also reite ich sie ohne Zaumzeug. Das Aas ist widerborstig wie selten eines, dabei herrlich unbändig wie eine Meute Jagdhunde bei der Bärenhatz. Sie wird bestimmt das beste Pferd in meinem Stall. Sieben Pflegekräfte habe ich nun, für jeden Wochentag eine und alle auf Rezept! Jetzt entschuldige mich. Ich muss Mittwoch noch gründlich zureiten. Habe die Ehre!“
Ohne auf eine Entgegnung zu warten, riss er am Haarschopf der diplomierten Reitsklavin. Grob drückte er die Sporen seiner Stiefel in ihre Weichen. Seine Gerte sauste auf ihren Hintern nieder.
„Aaaaua!!“ protestierte sie.
Mit einem Satz war sie samt Reiter im Unterholz verschwunden.



Wie schändet man eine Prinzessin?


In Gedanken bei Eisglut, der Prinzessin seines Herzens, ritt unser Weltenretter Serendip durch den herzerwärmenden Maivormittag. Bis er auf eine verlassene Kutsche am Wegesrand aufmerksam wurde. Nicht weit davon stand mit Händen und Füßen rücklings an einen Baum gefesselt eine lauthals lamentierende, selbst in ihrem erbärmlichen Zustand noch überaus liebreizende Prinzessin – für den Eingeweihten leicht an ihrem Prinzessinnenkrönchen auf dem goldgelockten Haupt erkennbar. An ihr machte sich eine Räuberbande zu schaffen. Es herrschten Zucht und Ordnung. In Reih und Glied standen die Räuber vor dem Baum an. Wer an der Reihe war, ging ihr wacker an die Wäsche und vergnügte sich in anstößigster Art und Weise an ihr. Sodann überließ er sie, nicht ohne sich vorher bei der ohne Unterlass Jammernden höflich bedankt zu haben, dem nächsten in der Räuberreihe und stellte sich wieder hinten an. Serendip beobachtete das Geschehen eine Weile, um sich zu vergewissern, ob nicht etwa sein Einschreiten vonnöten wäre. Denn von den Bediensteten der Prinzessin war keine Hilfe zu erwarten. Die lagen allesamt fein säuberlich verschnürt und bis auf die Unterwäsche ausgeraubt im Straßengraben. So sehr weinte die Prinzessin, dass ihre Tränen bereits ihr Gewand durchnässten. Hauteng klebte es an ihrem wogenden Busen, ihn mehr betonend als verhüllend. Eine derart unzüchtige öffentliche Zurschaustellung geheimster Reize mochte er nicht dulden. Er war nahe daran, sich aufzuregen. Kurz entschlossen zog Serendip blank. Da erst bemerkte die Unglückliche unseren Helden. Sie fixierte ihn, schüttelte den Kopf und blinzelte krampfhaft.
‚Offenbar hat sie etwas im kummervollen Äuglein und kann sich nicht helfen’, dachte Serendip bei sich. Er wollte eben von seinem Pferd springen, den Räubern den Garaus zu machen, das tränennasse Gewand der Prinzessin zu bedecken und ihr das Etwas aus dem Äuglein zu entfernen. Da rief sie ihm zu:
„Halte ein, edler Fremdling! Ich warte auf meinen in dieser Angelegenheit zuständigen Retter, Prinz Prokrastinus von Escargotien. Er hat sich wie immer ein wenig verspätet. Sicherlich wird er sogleich auf seinem edlen Retterross heransprengen. Also habe verbindlichsten Dank für dein unnötiges Bemühen.“
Sie musterte ihn gründlich. Was sie sah, schien ihr zu gefallen. Mit ihrem vornehmen Häuptlein auf die Räuberschlange deutend lud sie ihn ein:
„Wenn dir danach ist, darfst du dich gern hintan stellen, um dir ein wenig die Zeit an mir zu vertreiben.“
Sie zwinkerte ihm verführerisch lächelnd zu. Die Räuber nickten zustimmend, wollten ihm gar den Vortritt lassen. Wie Schuppen fiel es unserem Helden von den Augen: Er war mitten in einen inszenierten Überfall geplatzt! Gewiss sollte der das glückliche Ende oder den vielversprechenden Anfang, so genau wusste man das nie, eines Märchens befördern. Also brauchte Serendip sich auch hier nicht aufzuregen. Nicht ohne sich in aller Form dafür zu bedanken, schlug er das schmeichelhafte Angebot aus. Er zog es vor, aus seinem Sattel heraus der Prinzessin Kirre von Rammdösien, als jene stellte sie sich vor, die Wartezeit zu verkürzen. Man plauderte ein wenig. Interessiert lauschte sie seinen Betrachtungen über das blendende Wetter an diesem Bilderbuchmaimittag und vergaß darüber sogar zu schluchzen, während die „Räuber“ gewissenhaft ihrem Handwerk nachgingen.
Und wirklich: Bald schon trabte scheppernd und klirrend der heiß herbeigesehnte Retter gemächlich heran, ein waffenstarrender Ritter in voller Rüstung, einen Knappen im Gefolge. Der Ankömmling, von dem hinter dem offenen Visier nur ein beschattetes Gesicht zu erahnen war, grüßte Serendip freundlich. In Personen von Stand geziemender Ausführlichkeit stellten sie sich einander vor. Als dem Anstand solchermaßen Genüge getan war, klappte Prinz Prokrastinus sein Visier herunter und vertrieb ohne Umschweife und ernsthafte Gegenwehr die Räuber. Er kletterte von seinem Ross, was trotz tatkräftiger Unterstützung seines Knappen nicht ohne Anstrengung vonstattenging. So schnell das viele Blech es zuließ, eilte er zu seiner überglücklichen und neuerdings wieder Tränen, nun jedoch echte Freudentränen, vergießenden Prinzessin. Er entschuldigte sich für die Verspätung:
„Ein Mädchen“, drang es dumpf aus dem geschlossenen Helm, „das am Wegesrand Blumensträuße feil bot, hielt mich erst für den berühmten Ritter Prinz Eysenschmerz, was ich ihr angesichts meiner blendenden Erscheinung nicht verdenken mochte, und sodann auf, indem sie ein Autogramm von mir erbat. All meine Widerrede fruchtete nicht, nicht einmal der diskrete Hinweis auf das Wappen derer von Escargotien, das ich im Schilde führe. Erst als ich meine Rüstung abgelegt hatte, um ihr meinen Ausweis zu zeigen, den ich ungeschickterweise in der Brieftasche in meinem Wams trug, sah sie ihren Irrtum ein. Wenn wir zu Hause in meiner Burg ankommen, werde ich als erstes meinen Rüstungsschmied anweisen, mir eine Brieftaschenklappe in die Rüstung zu schmieden.“
Wie praktisch solch eine Vorrichtung sein würde, demonstrierte er der weiterhin an den Baum Gefesselten an Ort und Stelle. Er öffnete eine Klappe im Schritt seiner silberglänzenden Rüstung, holte sein ritterliches Geschlecht hervor und tat es zum Entzücken Prinzessin Kirres so forsch den verjagten Räubern gleich, dass ihr Krönchen recht ordentlich wackelte. Mittendrin hielt er inne.
„Hätte ich es doch beinahe vergessen!“, sprach er laut zu sich.
„Den Strauß!“, befahl er seinem Knappen. Mit einem entschlossenen Ruck riss er Kirres Kleid und Mieder auf. Ihr vornehm mondscheinblasser Busen hob und senkte sich in höchster Aufregung. Der Knappe reichte ihm den Strauß, ein geschmackvolles Gebinde aus Vergissmeinnicht, Brennnesseln und Kitzelkraut.
„Für dich, mein Augentrost. Den kaufte ich dem Mädchen ab!“
Kirres Augen weiteten sich. Die Röte wich aus ihrem erhitzten Gesicht. Sie wurde bleich. Sie ahnte, was ihr bevorstand. Zärtlich streichelte Prokrastinus mit dem Strauß Kirres Brüste.
„Autsch! Auaah! Haaaahhaahiihi!“ brach es aus der Prinzessin hervor.
Die Nesseln brannten höllisch, versengten ihre schneeweiße Haut, bissen in die kleinen, beinharten Nippel. Gleichzeitig kitzelte das Kitzelkraut so schrecklich unwiderstehlich! Kirre wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. So tat sie beides. Der Prinz führte den Strauß fester über ihren ganzen Oberkörper. Mehr und mehr rote Pusteln sprossen auf der Haut wie Pilze nach dem Regen. Kirre wand sich verzweifelt in den Fesseln. Sie schrie ihren Schmerz hinaus und prustete Prokrastinus ihr Lachen entgegen, bis sie keine Luft mehr bekam. Mit harten Schlägen bestrich der Prinz jetzt ihren schutzlosen Busen. Bei jedem Streich zuckte Kirre zusammen. Sie stöhnte. Ganz nah trat der Prinz an sie heran. Durch das geschlossene Visier seines Helm sah sie in seine Augen. Prokrastinus legte eine schwere, eiserne, eiskalte Rüstungshand auf ihren Busen. Und drückte zu. Kirre erschauerte. Laut stöhnte sie auf.
Wortlos schob der Prinz mit der anderen Hand den Strauß unter ihr Gewand. Kirre stockte der Atem. Sie begriff, was jetzt kommen würde.
„Jaahh!“, hauchte sie. „Ich bin ganz dein...“
Der Prinz stieß den Strauß zwischen ihre bebenden Schenkel. Mit der anderen Hand fummelte er an der Klappe im Schritt seiner Rüstung. Er streifte ein dort befestigtes eisernes Kettenhemd über sein pralles Gemächt! So bewehrt drängte er sich zwischen ihre Schenkel. Mit kurzen, harten Stößen schob er den Blumenstrauß in ihren Schoß, zur Blumenvase kürend, was als Gefäß ganz anderes aufzunehmen gewohnt war. In Kirres überfülltem Rosengarten kitzelte und brannte es unerträglich. Sie zuckte wild. Sie jammerte, sie lachte, sie rang nach Luft. Das Krönchen kullerte zu Boden und eine Glücksträne über ihre glühende Wange.
Serendip nickte anerkennend. Dieser blecherne Lüstling war ein ausgemachter Connaisseur. Der wie Serendip in Sadobotanik bewanderte Leser versteht, warum. Allen anderen sei es enthüllt: Das Vergissmeinnicht im Blumenstrauß bewirkte, dass Kirre jedes Mal, wenn sie sich an dieses Geschehen erinnerte, es wieder am eigenen Leibe spüren würde.
In der sicheren Gewissheit, dass dieses Märchen seiner nicht bedurfte, nahm Serendip diskret Abschied.



Vom Prangern


(Prinzessin Endorphine von Emotien alias Kleptovulvia erzählt.)

Der Weg heim nach Emotien war weit. Als ich kein Geld mehr hatte, nahm ich Arbeit in einer Kutschenwäscherei an. Sie gehörte zu einer Herberge an einer viel befahrenen Fernhandelsstraße nach Parisierien. Um Kunden anzulocken, musste ich mit nichts als einem knappen und bald patschnassen Nachthemdchen bekleidet, neben der Straße mit Eimer und Putzlumpen die Kutschen der Reisenden waschen. Ich war mit der ersten noch nicht fertig, da kam Prehtaportee, genannt der Prangerer, vorbei. Er war auf dem Weg nach Parisierien, um in der Weltstadt der Mode sein Glück zu machen. Wir fanden auf den ersten Blick Gefallen aneinander. So wie ich war, klitschnass in meinem Hemdchen, setzte er mich auf seine Kutsche und nahm mich mit. Er behandelte mich gut und so blieb ich bei ihm, zumal mein Weg nach Hause sowieso über Parisierien führte.
Wir erreichten das Königreich, als die Schamhaarperückenmode sich anschickte, sich selbst zu überleben. Diese Mode verlangte von Damen wie Herren der vornehmen Gesellschaft, schamfrei aufzutreten. Man trug Kleidung, die den Unterleib öffentlichen Blicken preisgab, während der Rest des Körpers züchtig bedeckt blieb. Beide Geschlechter trugen Strumpfhosen, die den Podex bedeckten, das Intimste von den Oberschenkeln aufwärts indes freigaben. Oder man trug Stiefel, die bis in den Schritt reichten und dazu einen Rock mit Schwalbenschwanzschößen, die das bloße Hinterteil verhüllten. Fortan war es wichtig, immer gut schamfrisiert aus dem Hause zu gehen. Man kämmte und bürstete das Schamhaar mit besonderen Kämmchen und Bürstchen, die man in kleinen Täschchen mit sich führte. Die Damen woben Schleifchen und Bändchen ins Haar, flochten es zu Zöpfchen und banden es zu Schwänzchen, hängten Kettchen und steckten Broschen, Diademe und ellenlange verschwenderisch verzierte Schamhaarnadeln hinein. Herren trugen Accessoires wie Taschenuhren und Schnupftabakdosen am und im Schamhaar oder hefteten ihre Orden daran. Bald reichte der Platz für Zierrat und Protz nicht mehr aus. Also toupierte man die Haarpracht und verstärkte sie mit Geflechten aus Draht. Als auch das nicht mehr ausreichte, ergänzte man die Schamhaarpracht um immer voluminösere Perücken, wie sie gleichzeitig auch das Haupt zierten. Schließlich hing diese lockige, weißgepuderte Haarflut bis zu den Kniekehlen, ja, bis auf den Boden herab. Das Gehen wurde anstrengend, musste man seine ganze Aufmerksamkeit doch darauf lenken, nicht über die aufwändig geputzte Schamhaarfrisur zu stolpern. Sitzen wurde unmöglich, im Restaurant und im Theater stand man nur noch. Parisieriens Gastronomie stellte sich darauf ein und führte erst Stehimbisse und nachher sogar Gehimbisse ein. Was man dort bestellte, wurde einem solange hinterhergetragen und im Gehen zugereicht, bis man es unterwegs verzehrt hatte. Man verfiel darauf, die künstliche Haarpracht zu pomadisieren und den Haarteig zu neckischen Figuren zu formen, zu Eichhörnchen, Schmetterlingen und Vögelchen für die Damen und zu Stierköpfen, Löwenhäuptern und Schlangennestern für die Herren, oder zu Efeu, der eine Wappentafel des Trägers kunstvoll umwand. Die vordersten der Avantgardisten färbten die Haare in schrillbunten Farben und formten sie zu Bürsten und weit vorstehenden Hahnenkämmen. Bohnensack, Parisieriens gefeierter Kolumnist und Meinung machender Kulturkritiker, nannte diese Unsitte ‚Punk’ – ‚Prunk’ ohne ‚R’ für Raffinesse. Nach Bohnensacks ‚Universalem Gesetz der Evolutiv-Degenerativen Eskalation’ war nun das Ende der Schamhaarmode absehbar. Bohnensack vertrat die Ansicht, alle erfolgreichen Modeerscheinungen durchliefen eine quasinaturgesetzliche Entwicklungsreihe. Auf die Keimphase folgen demnach das schnelle Wachstum, eine üppige Blüte der Formenvielfalt und schließlich eine eskalatorische Überbetonung einzelner distinktiver Merkmale bis hin zur unfreiwilligen Karikatur ihrer selbst. Dem schließe sich unmittelbar eine Phase der Degeneration an, bevor die Mode entweder allmählich dem Vergessen anheimfalle und auf dem Nährboden der verwöhnten feinen Gesellschaft im selben Maße wieder Raum und Licht für das nächste zarte Modepflänzchen würden. Oder eine neue Mode fegte die alte hinweg wie der erste Herbststurm das letzte unansehnliche Laub der Bäume. Solch ein Sturm waren wir.
Prehtaportee war fest entschlossen, zum neuen Stern an Parisieriens Modehimmel aufzusteigen. Ich sollte ihm dabei helfen. Der Prangerer stammte aus Torturiens Hauptstadt Qualium, wo er sein Brot eher schlecht als recht verdiente, indem er in seiner bescheidenen Werkstatt Pranger herstellte. So packte er eines Tages seine Werkstatt in eine Kutsche und machte sich auf den Weg nach Parisierien. Dort lebten, so hatte er gehört, Königin und Adel in so unvorstellbar großem Luxus, dass eigens Fachleute beschäftigt wurden, die ständig Neues ersannen, die verwöhnten Geschmäcker zu erfreuen. Abwechslung war das einzig Beständige. Um einen angemessenen Rahmen und Raum wie Zeit für all die unterhaltsamen Aufregungen zu schaffen, ließ Parisieriens Königin Lullu Duduwiga XIII. von der Zeitfee Uhrsula eigens eine besonders kostbare Form der Zeit erfinden, die sie Freizeit nannte. Viel Freizeit zu haben war ein Privileg des Adels. Da Königin Lullu und Parisieriens Adel selbst für Märchenverhältnisse märchenhaft reich waren, hatten sie sehr, sehr viel Freizeit, die auf das Unterhaltsamste verschwendet werden wollte. So prüften die Königlichen Freizeitgestaltungsfachleute alles, dessen sie nur habhaft werden konnten, auf seinen Unterhaltungswert. Modemacher, Künstler, Erfinder und Abenteurer aus aller Herren und Herrinnen Länder zog es an Königin Lullus Hof, in der Hoffnung, mit einem glücklichen Einfall die überaus verwöhnte Monarchin zu erfreuen und von ihr dafür mit Königlicher Gunst nebst Gold überhäuft zu werden. Spaßvögel, Scharlatane und Sonderlinge machten sich die gelangweilte Gedankenlosigkeit dieser illustren höfischen Gesellschaft zunutze, deren höchstes Gut das Amüsement war. Moden kamen und gingen, eine nach der anderen fiel dem verdienten Vergessen anheim. Gelegentlich war eine Idee selbst den dekadenten Höflingen zu lächerlich. Wie jener Vorschlag, jedermann solle zur Ertüchtigung des Leibes, sobald man sich außer Haus begebe, an zwei Stöcken gleichzeitig gehen. Der Urheber erregte damit eine so große Heiterkeit ob seines dreisten Vorschlags, dass die Königin und mit ihr der ganze Hof drei volle Tage und Nächte hindurch ununterbrochen lachten.
Königin Lullus Untertanen hingegen hatten weniger zu lachen. Untertänliches Leben war in Parisierien nicht leichter als andernorts. Offen gesagt war es sogar härter, wollte der Reichtum der Königin und des Adels doch verdient sein. Aber das Volk liebte seine Königin, die es liebevoll seine Sonne nannte, von Herzen. Doch wie immer und überall gab es auch in Parisierien den einen oder anderen Undankbaren, der die Ehre nicht zu schätzen wusste, für die Freizeitbeschäftigung seiner strahlenden Königin Fronarbeit leisten zu dürfen. So waren denn neben den Galgen auch die Pranger im Reich stets gut ausgelastet, manchmal bildeten sich gar Schlangen vor ihnen, so groß war der Andrang der Delinquenten.
Prehtaportee setzte alles daran, mit seinen Prangern einen neuen Modetrend zu kreieren. Er zählte auf mich, die ich mich als Prinzessin in der vornehmen Gesellschaft natürlich gewandt zu bewegen wusste. Der Ball der Königin wurde Schauplatz unseres ersten großen Auftritts. Ich trug nichts als einen leichten Pranger aus poliertem, nachtschwarzem Ebenholz, besetzt mit Beschlägen aus massivem Silber. Von ihm hing ein gänzlich durchsichtiger rosafarbener Schleier herab. Dessen hauchzarter Flor umhüllte meinen nackten Körper bis hinunter zu den Knien. Deutlich ließ er erkennen, dass mein Schoß entgegen der aktuellen Mode gänzlich haarlos war! Um meine Taille raffte ein Gürtel in Form einer Kette aus Silber das ätherische Gewebe. Schellen aus dem gleichen schweren Silber, die mit einer nur eine Elle langen Kette verbunden waren, umfassten meine Fußgelenke, so dass ich mich nur langsam gemessenen Schrittes bewegen konnte. Eine weitere silberne Kette war am Pranger befestigt. An ihr zog mich Prehtaportee durch die Menge, die uns atemlos bestaunte. Bald schon sollte sie uns zu Füßen liegen. Wir waren die Attraktion des Abends. Die Kavaliere duellierten sich um die Ehre, mir mein Sektglas hinterhertragen und mich, wenn ich sie mit einem Augenaufschlag beschenkte, davon nippen lassen zu dürfen. Eine regelrechte Schlägerei entbrannte, als mein Herr spielerisch die Stelle des Erdbeerfütterers auslobte, der mir die süßen Früchte zum Sekt in den Mund schieben durfte. In jener Nacht tanzte ich mit allen Großen Parisieriens. Schon am nächsten Tag war die Schamhaarmode Geschichte. Unser kometenhafter Aufstieg am Himmel Parisieriens hatte so schnell begonnen, dass uns der Atem stockte.
Prehtaportees Zierpranger-Kollektion, die ich Tage später auf Parisieriens bedeutendster Modenschau vorführte, wurde ihm förmlich aus den Händen gerissen. Die Zierprangerei, wie er sie nannte, setzte ganz auf die schmückenden Eigenschaften des Prangers. Zierpranger waren deutlich zierlicher und leichter als Gebrauchspranger, bestanden aus Elfenbein und exotischen Hölzern, waren besetzt mit kostbaren Steinen, und verziert mit raffiniertesten Intarsien. Schwerere Varianten bestanden aus Gold und Silber. Alle Modelle waren selbstverständlich maßgeschneidert und in zwei Varianten erhältlich. In der entschärften Form waren die Öffnungen für die Hände so bemessen, dass man gerade noch hindurchschlüpfen konnte, ohne den Pranger öffnen zu müssen. Puristen bevorzugten indes den voll funktionsfähigen Pranger, aus dem kein Entkommen war, gab er Kavalieren doch Gelegenheit, sich besonders zuvorkommend um die Angeprangerte zu kümmern. Bald hatte jede Dame von Welt zu Hause einen Schrank voller Pranger. Für die unterschiedlichsten Anlässe, vom legeren Freizeitpranger für den zwanglosen Einkaufsbummel in der Stadt mit Haken für die Einkaufstaschen über den zerlegbaren Reisepranger für unterwegs bis zu den aufwändig gestalteten und in Farbe, Material und Form auf die exquisite Abendgarderobe, wenn man denn überhaupt eine zum Pranger tragen mochte, oder auf die Farbe der Vorhänge im Schlafzimmer abgestimmt. Verliebte griffen gern zum Tandempranger, konnte man sich an ihm doch im Partnerlook anprangern. Immer neue Bereiche des parisierischen Lebens eroberten wir mit unseren Prangern. Schon Kinder spielten ‚Prangern‘. Mädchen schenkte man rosafarbene Prängerchen als Spielzeug, Jungs hellblaue. Prehtaportee machte Prangern zum Freizeit- und Leistungssport, der erst den Adel, dann die Massen begeisterte. Man prangerte allein für sich zu Hause, in trauter Zweisamkeit oder auch in Gruppen in besonderen hochbelastbaren und windschnittigen Sportprangern. Jeder übte sich im Ziel- und Weitprangern, im Dauer-, Gewichts- und Mannschaftsprangern. In Prangervereinen organisierte man sich zum gemütlichen gemeinsamen Prangern. Prehtaportee entwarf für sie Gruppenpranger, in denen bis zu zwei Dutzend Personen gleichzeitig angeprangert werden konnten. Der Leistungsprangerei verschriebene Sportligen wurden ins Leben gerufen. Massenprangereien, in denen sich Hunderte, gar Tausende zu gemeinsamem Anprangern zusammenfanden, wurden zu gesellschaftlichen Großereignissen allerersten Ranges. Über sie berichtete die nationale und internationale Presse. Bald standen an allen Ecken öffentliche Pranger, an denen man gegen eine Gebühr stehen durfte. Spezielle Vergnügungspaläste, in denen exzessiv geprangert wurde, sogenannte Prangatorien, schossen wie Pilze aus dem Boden. Es gab Selbstdarsteller, die sich selbst anprangerten und auf Jahrmärkten auftraten. Einige erhoben das Anprangern gar zur Kunstform. Die Justiz schaffte das Anprangern als Strafe ab, da es nun als Vergnügen galt, und vermietete die ausgedienten Strafpranger für Retropartys. Dafür wurde die Anwendung der Prügelstrafe drastisch ausgeweitet.
Bald residierten wir in einer Villa im vornehmsten Viertel der Hauptstadt. Karossen und Kutschen unserer Kundschaft verstopften die Straße vor unserem Haus. Prehtaportee konnte sich vor Aufträgen nicht retten. Königin Lullu nannte sage und schreibe tausend Pranger ihr Eigen, darunter einen goldenen Pranger für offizielle Gelegenheiten, der neben Hals- und Armlöchern eine weitere Öffnung besaß, in welche die Königin das Zepter stecken konnte. Außerdem war ein goldenes Reichsobstschälchen angebracht, in dem sie den Reichsapfel verwahren konnte. Niemand, der etwas auf sich hielt, ging mehr ungeprangert aus dem Haus. Wir schwelgten im Luxus. In einer vierspännigen scharlachroten tiefergelegten Rennkarosse rasten wir wie im Rausch durch die Straßen Parisieriens. Passanten blieben stehen, winkten und jubelten uns zu. Unser Leben glich einer immerwährenden Orgie, einem atemlosen Ritt auf einem Wirbelwind. Doch Bohnensacks Universales Gesetz der Evolutiv-Degenerativen Eskalation duldete keine Ausnahme.
Als es Mode wurde, auf Stelzen zu gehen, verlor die feine Gesellschaft über Nacht das Interesse an Prangern. Prehtaportee und ich wurden so schnell vergessen, wie wir Berühmtheit erlangt hatten. Der Prangerer verspielte im Suff unser ansehnliches Vermögen und noch viel mehr. Das brachte ihn in den Schuldturm. Wieder einmal fand ich mich mittellos und allein auf der Straße wieder.



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