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Lily Herz
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  09-02-2018 12:01 09-02-2018 12:01 38  Gelesen 38 Gelesen
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"Der Luftikus" Eine emotionale Liebesgeschichte von Lily Herz.



Manchmal klopft das Glück ganz zärtlich an eine Tür und sagt: Du bist dran. Nina ist unendlich glücklich, endlich ihr Happy-End mit Florian gefunden zu haben. Bis dieser sich drei Monate später in Luft auflöst und Nina kennenlernt, was Ghosting ist. Oder auch: Schlussmachen für Feiglinge. Doch manchmal bekommt man etwas nicht, was man will, weil etwas viel Besseres wartet.

Vielleicht ist dies Maximilian? Alle haben ein Päckchen zu tragen, doch der charmante Architekt, scheint ein ganzes Kofferset herumzuschleppen.



Leseprobe:



Kapitel 8

Am folgenden Freitag ist es soweit. Heute ist mein Date mit Maximilian! Und ich glaube ich sterbe.
Wobei ich erste Dates eigentlich mag. Ich liebe das Kribbeln und die Aufregung, vor einem Treffen.
Ein Rendezvous fängt ja nicht erst an, wenn man der jeweiligen Person gegenüber steht. Ich selbst genieße auch die paar Stunden vorher, wenn man sich in aller Ruhe zu Hause fertig macht, die passende Kleidung aussucht, sich fünfmal wieder umzieht um dann doch etwas ganz anderes anzuziehen.
Vorher durchlaufe ich das Ritual einer langen, entspannenden Dusche und trage anschließend meine momentane Lieblingscreme auf, gefolgt von ein wenig Make-Up und meinem knallroten Lippenstift von Dior, mein Markenzeichen. Kurzum, ich liebe Dates!
Und die besten Dates müssen nicht einmal in einer Beziehung - oder gar im Bett - enden, sie können auch einfach geniale Erlebnisse bieten, an die man Jahre später noch gerne zurückdenkt.
Meine beste Verabredung bisher, fand übrigens an einem kalten Januartag statt. Ich wollte meine Zufallsbekanntschaft Dominic, auf einen Kaffee im Hafen treffen, doch als ich dort ankam, stand er grinsend vor mir und hatte bereits zwei Kaffeebecher to-go in der Hand, wovon er mir einen in die Hand drückte. Mir einen Kaffee zu schenken ist fast schon die halbe Miete und so fand unser Date hervorragend an ... Ich schlug also vor, einen kleinen Spaziergang zu machen, und wir liefen den ganzen Nachmittag, bis zum Einbruch der Dunkelheit, ziellos in der Stadt herum und hielten mal hier und mal dort an. Und wie wir uns so in den Straßen und in einem tollen Gespräch verloren, brauchte es tatsächlich nicht mehr, um ein unvergessener Tag zu werden, an den ich mich auch heute noch sehr gerne und mit einem Lächeln im Gesicht zurückerinnere.
Hoffen wir, dass mein heutiges Date mindestens genauso erfolgreich wird, denn bei Dates weiß man ja nie, die können nämlich ziemlich in die Hose gehen.
Meine Freundin Susann wartete mal geschlagene fünfundvierzig Minuten auf einen Typen, in der Hoffnung, dass er doch noch käme und wenn, dann mit einer ziemlich guten Story, welche seine Verspätung rechtfertigte. Als er schließlich im verabredeten Café auftauchte, berichtete er, dass er zu spät sei, weil er im Fitnessstudio warten musste, bis der Beintrainer endlich frei würde, auf den er bereits eine Weile wartete. Nachdem der Fitness-Kollege scheinbar nicht schnell genug aufstand, artete ein Streit aus, der darin endete, dass der Fitnessstudio-Aufseher die Polizei rief, welche zwischen den beiden Streithähnen schlichten musste. Als die Polizei schließlich von dannen zog, setzte sich Susanns Date an die Maschine, um seelenruhig sein Workout zu beenden. Man muss schließlich Prioritäten haben.
Ob Susann nach dieser Beichte augenblicklich das Café verließ, wie es jede normale Frau, mit ein wenig Stolz, tun würde? Nein, sie blieb wacker sitzen. Als der Typ allerdings fragte, ob sie ihm ihre gebrauchten Socken schenken könnte, da er ein Fußfetischist war, wurde es ihr doch zu bunt und verkündete endlich, gehen zu wollen. Leider hatte Mr. Gym auch noch zufällig sein Portemonnaie zu Hause liegen lassen, weswegen sie ihn hinzu noch auf den leidigen Kaffee einladen musste. Wahre Geschichte!
Zurück zu Maximilian. Oh Gott, ich treffe ihn wirklich! Wir haben uns in den letzten Tagen die Finger wund geschrieben, bis tief in die Nacht hinein, und sobald ich morgens aufwache, linse ich sofort auf mein Handy, um zu schauen, ob ein morgendlicher Gruß auf meinem Bildschirm auf mich wartet, was bisher jeden Tag so war, außer am Mittwoch, da war ich schneller gewesen. Ich hoffe, er kann diesem Bild, welches ich von ihm habe, standhalten. Wenn dies überhaupt sein Bild ist, leider weiß man das bei einer Internetbekanntschaft nie ... Er könnte sich genauso gut als ein schmieriger Perversling entpuppen. Ein perverser alter Mann, der junge Frauen in die Falle lockt, um ihnen obszöne Angebote zu machen, oder ein perverser Pubertierender, der versucht ältere Frauen in die Falle zu locken, um ihnen obszöne Angebote zu machen.
Zugegeben bin ich übrigens kein blutiger Anfänger, was das Online-Dating angeht. Während des Studiums war ich die Einzige, welche ganze vier Semester lang Single war. Allerdings ungewollt, und so schlug meine Freundin Nicole vor, dass ich mich auf OkCupid anmelden sollte, eine Kontaktbörse, über die Nicole: >>die geilsten Typen kennengelernt hatte<<.
Wir hatten gerade Sinn und Sinnlichkeit geschaut und währenddessen eine Flasche Wein geleert, als ich mein Profil anmeldete und als HoldeMaid auf Männerfang ging.
Mein erstes Date machte ich mit Alejandro aus Venezuela aus, welcher sich als Jürgen aus Wiedenborstel, einem Kaff in Schleswig-Holstein, entpuppte. Eigentlich hätten meine Alarmglocken läuten sollen, als er vorschlug, dass wir uns auf dem Karstadt-Parkplatz in der Stadt treffen sollten. Das Gute war, dass ich nach einer fetten Ausrede, warum ich dringend gehen müsste, so zumindest direkt vor Ort das Geburtstagsgeschenk für meine Oma besorgen konnte.
Mein zweites Date war Benjamin, ein Medizinstudent, der wirklich Benjamin hieß und wirklich Medizin studierte. Nach dem ersten Gintonic, in einer Kneipe am Grindelhof, erklärte er mir sehr explizit, was er alles mit mir anstellen wollen würde, und das mit äußerst präzisen medizinischen Fachausdrücken. So beschrieb er alle Stellen meines Körpers, die er plante zu verwöhnen und ich lernte zum Beispiel, was die Mamilla war (an welcher er lecken und saugen würde), und dass Benjamin und ich nicht die passende Chemie hatten. Wir wurden trotzdem Freunde, was okay war, denn wie Nicole immer sagte, kann eine Frau nie genug Schuhe und Freunde haben.
Um mich auf mein Treffen mit Maximilian vorzubereiten, habe ich ihn natürlich inzwischen ausführlich online gestalked. Ich muss schließlich vorab wissen, mit wem ich mich im wahren Leben treffe. Ich hänge an meinem Leben, ok?
Obwohl Maximilian mir bisher seinen Nachnamen noch nicht verraten hat und es merkwürdig erscheinen könnte, danach zu fragen, konnte ich ihn ausfindig machen.
Unsere pfiffige Praktikantin Valentina, eine fatale Kombination aus extrem neugierig und extrem intelligent, zeigte mir mal im Büro, wie man durch eine umgekehrte Bildersuche Webseiten findet, auf denen dasselbe Bild enthalten ist. Das war also ein weiterer sehr guter Grund bei einem StartUp zu arbeiten, denn die Geeks bei uns im Büro haben immer Lösungen parat, an die ein normaler Mensch oftmals nicht denkt. Durch die umgekehrte Bildersuche habe ich also Maximilians WhatsApp Profilbild bei Google hochgeladen und keine drei Sekunden später bekam ich ein Match angezeigt. Sein Profilbild ist tatsächlich dasselbe Foto, welches neben seiner Biografie auf seiner Firmen-Webseite prangt. Jackpot!
Ich weiß nun, dass er Maximilian Kohnen heißt, er machte erst eine Ausbildung zum Tischler bei der Tischlerei Otto Henke in Lüneburg (Interessant! Immerhin war Jesus auch Tischler) und anschließend absolvierte er ein Architekturstudium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Danach sind Arbeitstätigkeiten in Tokyo und New York aufgelistet, sowie die Gründung seines Büros in Hamburg, im Jahre 2008.
Mit seinem vollen Namen, konnte ich Herrn Kohnen auch auf Facebook ausfindig machen, der Heilige Gral aller Online-Stalker.
Ich bin natürlich kein richtiger Stalker, sagen wir mal, ich recherchiere.
Ich habe übrigens tatsächlich mal meinen Ex-Freund Manuel beim Stalken meines Profils erwischt. Ich bekam um 23.30h eine Benachrichtigung über meinen markierten Namen als Manuels Facebook-Status. Mein Name, nichts weiter. Mir war schnell klar, dass er (wahrscheinlich betrunken) meinen Namen in die Statusbox eingegeben hatte, anstatt die Suchbox zu nutzen, und zack, war ich markiert. Ich war versucht: >>Wie kann ich Dir helfen, Manuel?<< zu antworten, aber keine fünf Minuten später war der Status bereit gelöscht gewesen. Anfängerfehler.
Seither überprüfe ich beim Stalken immer dreimal, ob ich tatsächlich in der Suchspalte bin und gebe größte Acht, ja nicht etwas aus Versehen zu liken. Trotzdem bin auch ich mal kopfüber ins Fettnäpfchen gesprungen.
Wir hatten eine Neue im Büro, welche im Marketing angefangen hatte. Silvia war fleißig, blond und hatte lange Beine. Hinzu war Silvia wunderschön. Leider hatte sie aber eine recht kühle Art an sich und nach einem Monat bei SelfieLab kam außer ein paar Floskeln noch immer nicht viel Gespräch zustande.
Eines Tages saßen wir schließlich gemeinsam im grünen Meeting-Raum und warteten auf den Rest des Teams, als sich eine unangenehme Stille im Raum breitmachte. Die Art von Stille, die fast schon schreit, wirklich sehr unangenehm. Nachdem ich also meinen Kopf nach möglichen Gesprächsthemen durchwühlte, fiel mir nichts Besseres ein als: >>Hey, wie war Sydney?<<, worauf mich Silvia mit einem seltsamen Blick beäugelte und frostig einräumte, dass sie noch nie in Australien gewesen sei. Knallrot stammelte ich, dass ich dachte, ihr Profilbild sei vor dem Opernhaus in Sydney aufgenommen wurden, aber ich könnte mich ja irren.
>>Da hast du wohl die Facebookseite meiner Mutter besucht. Ebenfalls Silvia.<<
Sie sah etwas konsterniert aus. Nun denn, ich hoffe, ihrer Mutter hat Sydney gut gefallen.
Auf Facebook hatte Maximilian leider nur sehr wenig Information öffentlich stehen, eine Frechheit, so macht das Stalken echt keinen Spaß. Allerdings gab es zwei, drei Bilder, die ich bewundern konnte, inklusive eines Bildes in der Elbphilharmonie am Tag der großen Eröffnung am 11.01.2017. Da war ich auch!! Natürlich war ich als Normalsterbliche bloß vor der Elbphilharmonie, frierend und mit durchnässten Haaren, da es den ganzen Abend regnete (eben Hamburg!). Aber immerhin waren wir schon einmal am selben Ort. Also fast.
Jetzt wird es aber Zeit, mich für das Dinner fertig zu machen.
Die Auswahl der Kleidung meines heutigen Dates ist natürlich bereits seit meiner Shopping-Tour mit Julia in den Zeisehallen in Altona entschieden.
Ich öffne meinen Schrank, hole mein neues schwarzes Kleid heraus und fahre mit den Fingerspitzen über dessen himmlisch weichen Stoff. Bei Kleidern ist es ja so, dass man die Allerschönsten anzieht, wenn man sie eigentlich wieder ausgezogen bekommen möchte. Bei diesem Gedanken spüre ich, wie mir die Hitze ins Gesicht steigt und lege das Kleid schnellstens auf meinem Bett ab und konzentriere mich lieber auf meine nigelnagelneuen Pura Lopez Edel-Pumps. Wie schön die glitzern, ich könnte sie stundenlang bewundernd anstarren. Show-Time, ihr Lieben, denke ich und mache mich auf den Weg in mein Badezimmer, nur um eine Minute später zurück in mein Schlafzimmer zu stürzen, denn ich hatte ein wichtiges Detail vergessen. Was ziehe ich bloß unter dem Kleid an? Das kommt natürlich darauf an, wie dieses Date enden soll, denke ich süffisant grinsend. Am besten ziehe ich also meine Oma-Unterwäsche an, um gar nicht erst in Versuchung zu kommen. Diese ist eigentlich für absolute Weltuntergangstage reserviert, also dann, wenn ich meine Tage habe und von der Welt nichts wissen will. Auf der anderen Seite fühlt sich Oma-Unterwäsche einfach nicht sexy an, was vielleicht Auswirkungen auf meine Ausstrahlung am heutigen Abend haben könnte und das kann ich natürlich nicht verantworten. Denn vielleicht will ich ihn ja tatsächlich für ein zweites Date wiedersehen, wer weiß, und dementsprechend muss ich für alle Eventualitäten vorbereitet sein. Ich seufze und ziehe ein edles, schwarzes Spitzenhöschen aus der Kommode. Wenn schon, denn schon. Machen Männer sich eigentlich ebenfalls tausend Gedanken vor einem Date? Ich wage es, dies zu bezweifeln.
Frischgeduscht, rasiert, eingecremt und gepudert betrachte ich mich unzufrieden im Spiegel, denn selbstredend ist mein Outfit zwar der mega Knaller, allerdings fehlt das perfekte Haar, um meinem Look quasi das I-Tüpfelchen zu verleihen. Ich habe die glorreiche Idee mir drei youTube Video-Tutorials anzuschauen, welche idiotensichere Steckfrisuren und stylische Looks in einer Minute versprechen ... und sehe anschließend aus wie ein Pudel, der in eine Steckdose gefasst hat. Argh! Kann man vergessen ...
Frustriert klingel ich nebenan bei Julia, welche mir mit einem Glas Rotwein in der Hand öffnet und anerkennend pfeift.
>>Mensch Nina, wenn er dir nicht beim ersten Anblick einen Heiratsantrag macht, ist dem Mann nicht zu helfen. Ähm, du hast die Haare schön?<<
Zwanzig Minuten später hat Julia meine Haare wieder ausgekämmt und sie mit einem Glätteisen erst geglättet, um anschließend weich fallende Wellen zu zaubern, und mir steht der Mund offen, Julia ist wirklich eine Schatztruhe, aus der sie scheinbar mühelos eine Menge verschiedener Talente zu Tage befördert.
Als ich später vor dem verabredeten Casa di Roma in der Langen Reihe, hinter dem Hauptbahnhof, erscheine, bin ich tatsächlich sehr nervös. Was machst du eigentlich hier, Nina? Letzte Chance, noch kannst du umdrehen! Beeil dich.
Doch bevor ich mir selbst antworten kann, sehe ich wie im Inneren des Restaurants ein in Jeans und weissem Hemd gekleideter Mann aufspringt und zu Tür sprintet, um mir diese zu öffnen. Mir bleiben die Worte im Hals stecken, denn ich erkenne ihn augenblicklich und in natura sieht Maximilian noch heißer aus, als auf seinen Bildern. Ja, wirklich, obschon man denken sollte, dies sei ein Ding der Unmöglichkeit. Wie ich sehe, ist er sehr groß, mein Kopf reicht gerade mal bis zu seinen breiten Schultern und wenn ich es noch nicht erwähnt habe, so hatte ich schon immer eine Schwäche für große Männer. Vielleicht ist es hoffnungslos veraltet, aber große Männer geben mir das beruhigende Gefühl mich vor allen bösen Gefahren dieser Welt beschützen zu können und das finde ich ziemlich sexy.
Seine dunkle, harmonische Stimme raunt mir ein >>Hallo<< entgegen und ich schwöre, für einen Moment, meine Knie nicht mehr spüren zu können. Verdammt, ich wusste, dieses Date ist eine schlechte Idee, wir haben noch nicht einmal Floskeln ausgetauscht und schon bin ich dabei mich zu verlieben. Nina, reiß dich zusammen.
>>Na, wie gehts?<<, bringt meine viel zu hohe Stimme leicht krächzend hervor, was mich noch nervöser macht.
Max führt mich an seinem Arm zu unserem Tisch, währenddessen ich ganz leicht das Aroma seines sicherlich sündhaft teuren Parfums wahrnehme, welches ihm übrigens noch mehr Präsenz und Attraktivität verleiht.
>>Ich war bis zuletzt nicht sicher, ob du tatsächlich kommst ...<<, höre ich auch in seiner Stimme etwas Unsicherheit?
>>In der Tat, habe ich vor der Tür noch überlegt wegzurennen, aber da hattest du mich bereits entdeckt<<, sage ich nervös lachend.
Ich hoffe, er nimmt dies als Witz hin, obwohl es die Wahrheit ist.
Wir setzen uns an einen kleinen Tisch am Fenster, und sogleich steht ein eifriger Kellner vor uns, um die Drink-Specials des Tages anzupreisen. Ich bestelle einen Amaretto Sour und Max bleibt bei Mineralwasser: >>Schließlich muss ich noch fahren. Vielleicht auch dich nach Hause? Also nicht was du denkst, ich wollte andeuten, dich vor die Tür fahren zu können. Wenn du magst.<<
Hätte mir zu diesem Zeitpunkt jemand gesagt, wo unser Date tatsächlich enden wird, hätte ich besagter Person einen Vogel gezeigt.
>>Erzähl, wie viele Tinder-Dates konntest du bisher klarmachen?<<, ich muss natürlich in Erfahrung bringen, ob ich es mit einem Playboy zu tun habe.
Maximilian schaut über meine Direktheit etwas überrascht, antwortet allerdings, ohne mit der Wimper zu zucken.
>>Würdest du mir glauben, wenn ich behaupte, dass du mein erstes Date seit vielen Jahren bist? Genaugenommen seit etwa zehn Jahren. Wenn mein Benehmen in dieser Hinsicht also etwas verstaubt ist, so appelliere ich an deine Geduld.<<
>>Hast du immer einen Stock im Hintern?<<
Ich wage einen frechen Eisbrecher, der zum Glück funktioniert, denn Maximilian lacht schallend. Mein Gott, lacht er süß.
>>Ich freue mich übrigens sehr, dass du mir die Ehre erweist ...<<, dabei strahlt er, so dass seine niedlichen Grübchen zum Vorschein kommen. Irgendwo muss dieser Mann einen Haken versteckt haben, und ich habe mir fest vorgenommen, diesen zu finden.
>>Hast du eigentlich schon immer in Hamburg gewohnt?<<
Frage ich gelassen, schließlich muss ich mich langsam vortasten.
>>Hamburger Jung! Geboren und aufgewachsen. Und Hand auf’s Herz, es gibt keine schönere Stadt!<<
Er hat unterschlagen, in Tokyo und New York gewohnt zu haben. Bescheiden ist er also auch.
>>Und hier hast du dein Architekturstudium absolviert?<<
>>Erst habe ich eine Ausbildung zum Tischler in Lüneburg gemacht, wo meine Eltern inzwischen wohnen<< weiß ich doch schon alles, was ich natürlich unmöglich verraten kann, >>ich mochte die Idee, mit meinen eigenen Händen notwendige Dinge des häuslichen Lebens herstellen zu können. Den Esstisch, an welchem die Familie allabendlich, deren Abendbrot zu sich nimmt. Das Bett, in welchem wir schlafen. Vom Baum, zum Möbelstück also ... Ich hatte und habe eine idyllische Idee bezüglich des Handwerks und der Dinge, die man erschafft. Denn sie sind viel mehr als nur Nutzstücke, sie bieten Lebensqualität und auch ... Freude.<<
Ich hänge an seinen Lippen. In diesem Licht hatte ich meinen Tisch noch nie betrachtet.
Maximilian macht eine kleine Pause und fährt fort.
>>Das Architekturstudium war also quasi eine maximale Erweiterung, um Lebensqualität und Lebensräume zu ermöglichen. Ich mag den Gedanken, durch mein Schaffen, einer Familie zu helfen, deren Traum des Eigenheims umzusetzen. Die vielleicht wichtigste Anschaffung im Leben ... Aber genug von der Arbeit. Was machst du gerne in deiner Freizeit?<<
Ich stalke dich im Internet.
>>Ich lese sehr gerne, leider nicht so viel wie ich mir immer vornehme, aber ich bin ein Bücherwurm. Ich esse gerne, kann aber nicht kochen, und ich trainiere momentan für einen 10 Kilometer Lauf.<<
Das war äußerst lässig, Nina, aber hast du noch alle Tassen im Schrank?! Sich Turnschuhe gekauft zu haben zählt nicht als Training! Und welche zehn Kilometer?
>>Wie passend, dann können wir ja mal gemeinsam um die Alster joggen, denn auch ich bin begeisterter Läufer.<<
Shit. Da habe ich den Salat. Schnell, Themawechsel.
>>Ja klar, coole Idee. Sag, reist du gerne? Was ist dein Lieblingsziel?<<
>>Ich liebe Reisen. Neue Orte, Länder und Kulturen kennenzulernen. Doch mein Lieblingsort, außer unserem schönen Hamburg natürlich, ist Paris, ganz klar. Paris ist vielleicht nicht die originellste Antwort, weil man sie ständig im Bezug zu Lieblingsorten hört, aber so viele Leute können sich nicht irren, oder?<<, er zwinkert mir zu und zeigt mir wieder seine wundervollen Grübchen. Am liebsten würde ich aufspringen und diese Grübchen küssen. Ruhig Blut, Nina.
>>Und was macht Paris so besonders?<<, frage ich interessiert.
>>Es gibt so viel, was Paris besonders macht. Stell dir ein leise spielendes Akkordeon vor. Du sitzt an einem Brunnen und hörst dem Musiker zu, während du einen warmen Crêpe mit geschmolzenen Käse isst. Du bist den ganzen Vormittag umher gelaufen, durch breite Boulevards mit schönen Gebäuden im neoklassizistischen Stil. Vorbei an Cafés, Pâtisserien und Boulangerien. Vorbei an der Maman mit ihrer kleinen Tochter, mit dem roten Luftballon und vorbei an dem Liebespaar aus den USA, welches auf Hochzeitsreise ist und Europa zum ersten Mal besucht. Du setzt dich an einen Brunnen, lässt die Stadt, dessen Geräusche und Gerüche auf dich wirken, fragst dich, wie es wohl ist, das Glück zu haben hier zu leben und beneidest insgeheim die Menschen, die Paris ihr Zuhause nennen. Paris ist ... Paris.<<
>>Am liebsten würde ich sofort meine Tasche packen<<, seufze ich und das ist nicht einmal gelogen.
>>Paris ist seit der siebten Klasse einer meiner großen Träume. Paris - und Hawaii. Ich hatte mich in der siebten Klasse für Französisch als zweite Fremdsprache eingeschrieben und genoss somit zweimal in der Woche, vierundfünfzig Minuten lang die Schönheit gewöhnlicher französischer Worte. Fille für Mädchen, Papillon für Schmetterling, Lundi für Montag. Wer eine solch schöne Sprache erfand, musste sicherlich auch ein schönes Land haben? Jede Unterrichtsstunde, bei meinem etwas neurotischen Französischlehrer Herr Roth (der immer nervös mit seinem Schlüsselbund in der Hosentasche raschelte und diesen manchmal wütend durch das Klassenzimmer feuerte, wenn seine Schüler nicht aufmerksam genug waren) schaute ich verzückt in mein Lehrbuch und stellte mir vor, wie es wäre nach Paris zu reisen. Denn Französisch war ... Paris.<<
>>Lass uns fahren!<<, höre ich Maximilian sagen.
>>Ok ... irgendwann mal. Vielleicht?<<
>>Lass uns heute fahren!<<
Wie bitte?
Alleine in einem Auto mit einem Mann zu verreisen, den ich kürzlich auf Tinder kennengelernt habe, kann entweder eine richtig großartige oder eine ziemlich hirnrissige Idee sein. Wir kennen uns persönlich seit etwa einer Stunde und meine Freunde würden sicherlich sagen, dass ich nicht ganz dicht bin. Recht hätten sie allemal.
Maximilian scheint meine Gedanken zu lesen.
>>Ich versichere, keinerlei Hintergedanken zu haben. Ich würde dich nicht anrühren oder in sonstiger Art und Weise mich unpassend benehmen. Und wenn du mir nicht glaubst, kannst du gerne ein Bild meines Führerscheins und des Kennzeichens meines Autos, an Freunde oder Familie senden. Wenn ich recht überlege, würde ich diese Bilder nicht an die Familie senden. Und nicht an irgendeine Freundin, sondern an die verrückteste Freundin, die du hast!<<
>>Macht Sinn!<<, lache ich, während mein Kopfkino auf Hochtouren läuft.
Ich muss bei der Vorstellung lachen, wie die meisten Leute sicherlich in Ohnmacht fallen, würde ich nonchalant verlauten lassen, mit einem Fremden einen Roadtrip nach Frankreich machen zu wollen.
>>Paris wäre sicherlich traumhaft, aber wie wäre es, wenn wir einfach hier unser Abendessen genießen, und uns den Umweg von tausenden von Kilometern sparen?<<
>>Abendessen und dann Paris?<<
Maximilian legt demonstrativ seinen Führerschein auf den Tisch.
Der hat Nerven.



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