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Kim Rylee
Geschrieben von  Mandy Schur Mandy Schur Geschrieben,  30-12-2017 17:39 30-12-2017 17:39 12  Gelesen 12 Gelesen
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"Fated Shadow II – Pentref Mawre" Band 2 der Fantasy-Reihe von Kim Rylee.



Schlummert in Aveline noch ein Fünkchen der Dimensionswandlerin Nagual?
Das zumindest vermuten Samael, der Höllendämon, und Azrael, der gefallene Engel.
Um Gewissheit zu erlangen, macht sich das ungleiche Trio auf den Weg nach Pentref Mawre, eine andere und magische Dimension.
Doch dort erwartet sie eine Überraschung: Das Reich hat einen neuen Herrscher.
Und der hat seine ganz eigenen Pläne mit ihnen ...



Leseprobe:



Wie ein wildes Tier, eingesperrt in einem zu kleinen Käfig, lief sie in dem riesigen Wohnzimmer der Hotelsuite auf und ab. Sie trug ein schwarzes Spaghetti-Top, eines der wenigen Kleidungsstücke, das die Schwingen noch nicht zerfetzt hatten. Gerade legten ihre Flügel eine Pause ein und schlangen sich wie eine Korsage um ihren Oberkörper. Dabei kreuzten sich die beiden Krallen und bildeten eine Art Verschluss vor ihrer Brust. Samaels durchdringender Blick verfolgte sie bei ihrer Wanderung.
»Seit über drei Wochen haltet ihr mich hier schon fest. Ich muss mal wieder raus. Ich brauche frische Luft und …« Aveline überlegte kurz, doch ihr fiel nur etwas typisch Weibliches ein, »... neue Klamotten und Schuhe!«
»Schuhe!« Dem Dämon sackten die Mundwinkel nach unten. »Echt jetzt, Aveline?«, schnaubte Samael. »Außer diesen Knobelbechern, die das Ende deiner Beine einleiten, lässt du doch kein anderes Paar Latschen überhaupt in die Nähe deiner Füße.« Genervt rollte er mit den Augen.
»Wie nennst du meine Doc Martens? Knobelbecher?« Demonstrativ stampfte sie auf den Dämon zu. Er wollte gerade etwas erwidern, als Azrael durch die Tür geschlendert kam. Der Erzengel wirkte heiter, fast schon ausgelassen, was bei ihm eher eine Seltenheit war. Er hatte zwei große Einkaufstüten bei sich und reichte sie Aveline.
»Hier, für dich. Ich hoffe, es sagt dir zu.«
Aufgeregt nahm sie die Tüten entgegen und wühlte darin herum. Zwei schwarze Hosen, vier Oberteile sowie ein paar Dessous.
Woher kennt er denn meine Größe? Verwundert hob sie die Augenbrauen, zog einen schwarzen Spitzen-BH heraus und sah ihn an.
»Ist es die richtige Größe?« Unsicherheit spiegelte sich in seinen Augen.
»Kannst du Gedanken lesen?«
Ihre Überraschung verursachte ein Zucken in seinem Mundwinkel.
»Wir brechen bald auf, und da, wo wir hingehen werden, gibt es keine Geschäfte oder Boutiquen, wie du sie kennst. Also dachte ich, du wirst etwas brauchen«, wechselte er das Thema.
»Azrael, der Frauenversteher«, neckte Samael ihn, während er sich eine Zigarette drehte. Falls Erzengel über-haupt erröten konnten, dann hatte Azrael sich gut unter Kontrolle. Auch seine Miene veränderte sich nicht. Zu lange kannte er bereits den Dämon, um sich darüber aufzuregen, wenn der ihn aufzog.
»Wir gehen fort? Wohin?« Aveline schnappte sich die Tüten. Die Aufregung hatte nun vollends von ihr Besitz ergriffen. Endlich kam sie aus dem Hotelzimmer heraus.
»Wir fahren nach Stonehenge«, erklärte Samael ruhig und blies Ringe aus Rauch in die Luft.
Die Geschenke fielen mit einem dumpfen Geräusch zu Boden.
Aveline runzelte die Stirn.
»Stonehenge? Dort gibt es doch nur ein paar alte Steine. Was wollen wir da?« Ihre Laune erreichte gerade den Keller des Hotels und wollte sich darin verstecken. Außer der kleinen Ortschaft Amesbury und diesem Steinkreis gab es dort nichts.
Samael bemerkte ihren Unmut. »Dort gibt es bei Weitem mehr, als du denkst, Aveline.«
An dieses diabolische Grinsen hatte sie sich auch in den letzten Wochen nicht gewöhnen können.

*****


Sie brauchte dringend Hilfe.
Als Jessy das ›Paradise‹ betrat, verstummten abrupt die Gespräche. Ihre kleine Hand hielt sie fest an ihre Brust gepresst. Die Silhouette eines Dolchgriffs ragte zwischen Daumen und Zeigefinger hervor. Er flimmerte und seine Kanten waren unscharf, bewegten sich in Wellenbewegungen, als versuchten sie verzweifelt, sich in festes Material zu verwandeln. Kein Blut floss aus der Wunde, doch man sah Jessy an, dass sie starke Schmerzen hatte. Den-noch kam kein Laut über ihre Lippen. Auch die plötzliche Stille um sie herum schmerzte, während sie sich verwundert umschaute. Ihr Blick traf den von Goliath, der mit drei Kumpels in seiner Stammecke saß. Verstohlen blickte er zur Seite, dabei wechselte seine Gesichtsfarbe in ein dunkles Rot. Jessy runzelte die Stirn. Schnurstracks ging sie auf den Tresen zu und setzte sich auf einen der freien Barhocker. Die anderen Schutzengel um sie herum begannen zu flüstern. Immer wieder warf Jessy einen Blick über die Schulter. Dieses Getuschel ging ihr gewaltig gegen den Strich.
Goliath wagte es erneut, Jessy anzuschauen, während die anderen Gäste ihrem Blick auswichen. Nur die umher-schwirrenden Glühwürmchen ließen sich von dem Stimmungswechsel nicht beeindrucken und flimmerten durch den Pub. Sie waren die einzige Lichtquelle. Nun begann auch das Nachtigallpärchen wieder, sein Lied zu singen.
Paul, der Barkeeper, hatte sie noch nicht bemerkt. Er war gerade emsig damit beschäftigt, einige Gläser in die Regale zu räumen. Sein weißes Hemd strahlte vor Sauberkeit, sodass Jessy kurz geblendet wurde und die Augen zusammenkniff. Mit einem Räuspern machte sie auf sich aufmerksam. Paul drehte sich um.
»Hi, Paul. Ich brauche eine Genesungsdusche. Und danach eine Hafermilch.«
»Hallo, Jessy«, begrüßte er seinen neuen Gast mit einem für ihn unüblichen zurückhaltenden Lächeln. Anfangs noch etwas verhalten, doch kurz danach füllte das normale Gemurmel und Gelächter den Raum.
Paul stützte sich mit den Fäusten vor ihr auf dem blank geputzten Tresen ab. In der rechten Hand hatte er noch immer den blau-weiß-karierten Putzlappen.
»Du wirst keine Zeit für eine Heildusche haben oder dafür, dir einen Drink zu genehmigen. Man erwartet dich bereits.« Mit einer kurzen Kopfbewegung deutete er nach oben.
Jessy öffnete verstört den Mund. »Oben?«, flüsterte sie, als könnte sie nicht glauben, was sie gerade gehört hatte.
Der Barkeeper nickte einmal.
Goliath kam angewatschelt und setzte sich auf den Barhocker zu Jessys Rechten. Er stützte sich mit dem Unterarm auf dem Tresen ab und musterte sie kurz. Ihm schien nicht wohl bei der Sache zu sein, denn seine Pausbacken hatten ihren knallroten Farbton noch immer nicht verloren.
»Hallo, Jessy«, begrüßte er sie vorsichtig mit seiner nasalen Stimme.
Sie reagierte nicht, sondern starrte Löcher in die Luft.
Während er zu ihr sprach, schaute er unentwegt auf das leere Glas in seiner Hand. »Wie mir zu Ohren gekommen ist, hat dein Abgang einen ganz schönen Knall hinterlassen.« Er wartete auf ihre Reaktion, während er dabei unruhig auf dem Barhocker hin und her rutschte.
Jessy hielt die Luft an, um nicht sofort zu explodieren. Ihre Hand presste sich noch fester gegen die Brust, was Goliath nicht unbemerkt blieb.
»Du hast deinen Schützling verloren. Und das an Samael«, streute Goliath noch mehr Salz in die bereits klaffende Wunde in ihrer Brust. Dem nicht genug, setzte er noch einen oben drauf. »Man sagt, dein Schützling sei ein Dämon geworden. Puh! Damit hast du etwas geschafft, das noch nie ein Schutzengel zuvor vollbracht hat.«
Jessy erwartete ein höhnisches Lachen von Goliath, wie er es sonst immer tat, doch diesmal kam nichts dergleichen. Sie spürte, wie sich eine Wut in ihr aufstaute, die sie nicht mehr kontrollieren konnte. Warum piesackte er sie andauernd? Als sie gerade ausholen wollte, um ihrem Nachbarn eine Ohrfeige zu verpassen, sah sie im Augenwinkel, wie Paul den Kopf schüttelte. Jessy zwang sich zur Zurückhaltung.
»Jessy, sie warten bereits auf dich. Du solltest nicht zu spät kommen.« Paul hob den rechten Arm. Seine Hand wies ihr den Weg zur mächtigen Eiche in der Mitte des Pubs. Dabei schwang das Tuch wie eine Startfahne beim Autorennen vor und zurück. Die Vögel verstummten, als sich plötzlich eine Tür im mächtigen Stamm öffnete. Ein gelbes Licht schien durch die Öffnung und ließ Jessys Gesicht golden erscheinen. Ihre blonden Korkenzieherlocken vermittelten den Eindruck, sie trüge einen Heiligenschein.
Jessy knabberte an ihrer Unterlippe. Sie hatte gehofft, ihr Opfer würde alles wieder ins gute Licht rücken. Sie war doch für Aveline in den Tod gegangen. Wieso wurde das nicht anerkannt? Sie wusste, dass ER sich nicht persönlich bei ihr bedanken würde. Schließlich war es ihre Aufgabe gewesen, sich um Aveline zu kümmern, sie zu beschützen – wenn es sein musste, sogar bis in den Tod hinein. Genau das war nun passiert. Sie hatte sich für ihren Schützling geopfert. Danach geschah nichts mehr. Kein Lob. Noch nicht einmal eine Karte mit den Worten ›Gut gemacht‹, wie sie oftmals die anderen Schutzengel bekamen.
»Du solltest sie nicht warten lassen«, holte Goliath sie aus ihren Gedanken.
»Goliath, halt endlich dein vorlautes Mundwerk«, keifte Jessy ihn ohne Vorwarnung an. »Du hast keine Ahnung, wie schwer man es als Engel Zweiter Klasse hat!«
»Aber … aber … Jessy«, stotterte der Schutzengel. Goliath bedauerte Jessy, fand aber nicht die Worte, es ihr zu sagen. Der Schutzengel Erster Klasse hatte die Angewohnheit, im falschen Moment das Falsche zu sagen. Zu seinem Bedauern gehörte Cupido nicht zu seinen engen Freunden. Dabei suchte er nur Jessys Aufmerksamkeit.
»Für dich immer noch Jesajah! Wie oft muss ich das noch wiederholen? Hast du eigentlich mal gegen einen Dämon gekämpft? Häh?« Sie erhob ihren kleinen Zeigefinger. »Und das auch noch in seiner Dimension?« Nun drückte sie den Finger gegen seine Brust, sodass Goliath Mühe hatte, nicht hinterrücks vom Barhocker zu fallen. »Soweit mir bekannt ist, nein! Also, lass mich in Ruhe. Ich habe auch ohne dich genug Ärger am Hals.«
»Jess…« Weiter kam er nicht, da Jessy energisch die Hand hob und ihm mit ihrem wütenden Blick Einhalt gebot. Er musste ihr unbedingt etwas mitteilen, doch er bekam keine Chance.
Sie rutschte vom Hocker und ging auf den Stamm zu, während Goliath ihr traurig hinterherschaute.
Kaum war sie durch die Tür getreten, befand sie sich in einem riesigen Saal. Hier herrschte reges Treiben. Sie sah Schutzengel. Viele Schutzengel. Es mussten Tausende sein. Jeder von ihnen war verletzt. Einigen fehlte ein Bein, bei anderen hing der Kopf in einer unnatürlichen Haltung am Hals. Ein weiblicher Schutzengel kreuzte ihren Weg, drehte sich um die eigene Achse, dann ging sie weiter. Jessy sah, dass ihr Oberkörper von mehreren Einschusslöchern gezeichnet war, zudem eines in der Stirn. Wo eigentlich der Empathieknoten sein sollte, klaffte ein riesiges Loch. Jedoch war auch bei ihr kein Blut zu sehen.
Jessy schaute nach oben. Frei in der Luft schwebende Leuchtpfeile deuteten ihr an, wohin sie gehen musste. Jeder Schutzengel hatte seinen eigenen Wegweiser, sodass ein Wirrwarr an verschieden farbigen Pfeilen über den Köpfen der Schutzengel schwebte. Jessys Pfeile waren türkis. Plötzlich begann ihr Pfeil wild zu zucken. Sie stoppte. Die Warteschlangen vor den Kabinen waren lang. Mindestens zweihundert Schutzengel waren vor ihr dran. Dennoch kam sie zügig voran. Es dauerte eine gefühlte halbe Stunde, dann stand sie vor der Kabine. Lautlos glitt die Tür auf und Jessy trat ein. Die Innenwände waren cremefarben. Es duftete nach frisch gemähtem Gras und Erde, wie auf einem Friedhof.
»Bitte in die Mitte stellen«, wurde sie von einer monotonen Stimme aufgefordert.
Jessy gehorchte. Sie schaute nach oben und sah dort hunderte von schwarzen Punkten. Ohne Vorwarnung rieselte eine dicke Wolke auf sie herab und hüllt sie ein. Ihr wurde warm.
»Bitte die Arme zur Seite ausstrecken«, ertönte die monotone Stimme erneut.
Sie streckte ihre Arme zur Seite aus und schaute auf die Silhouette des Dolches, die noch immer aus ihrer Brust ragte. Feine weiße Rauchfäden spannen sich um den Griff und verfestigten sich. Es sah aus wie Zuckerwatte.
»Einmal tief einatmen«.
Jessy holte tief Luft.
Es folgte ein Plopp. Die Silhouette schwebte vor ihrem Körper. Schließlich löste sich die Wolke samt Dolchsilhouette auf.
Jessy schaute an sich herunter. Sie trug jetzt ein kurzes Kleid aus weißer Seide. Die Wunde in der Brust samt dem Schmerz war verschwunden. Sie war geheilt. Nun konnte sie sich wieder ihren Schützlingen widmen. Jessy wollte die Kabine verlassen, doch die Tür öffnete sich nicht. Stattdessen erschien ein Durchgang zu ihrer Rechten.
»Tritt ein, Jesajah«, ertönte dieselbe montone Stimme.
Jessy runzelte die Stirn. Eingeschüchtert zog sie den Rock ihres weißen Kleidchens so weit es ging nach unten und tapste barfuß in den nächsten Raum.

Links von ihr standen fünf silberne Stühle mit den Rückenlehnen an der Wand. Ihr gegenüber gab es eine breite Tür. Jessy musste schlucken, als sie nach oben sah. Es war nicht zu erkennen, wie hoch die Tür tatsächlich war. Sie wunderte sich, dass sie allein war. Entweder waren alle anderen Schutzengel viel bemühter um ihre Schützlinge oder – und diese Vermutung traf sie wie der besagte Stich in ihr nicht vorhandenes Herz – sie hatte diesmal wirklich Mist gebaut. Einen Menschen an einen Dämon zu verlieren, war schon heftig. Dass dieser Mensch sich auch noch in einen Dämon verwandelte, war der Gipfel. Hinzu kam noch, dass es bei ihr nicht zum ersten Mal passiert war. Unentwegt kaute Jessy auf ihrer Unterlippe herum, während sie die Wände genauer unter die Lupe nahm. Alle waren im reinsten Weiß gehalten und mit Bildern verziert.
Wie bei einem Besuch in einer Kunstgalerie ging Jessy langsam an den Bildern vorbei und begutachtete jedes einzelne von ihnen. Es waren Bilder von Engeln, die der Ersten Triade angehörten. Die Seraphim, die für die Liebe verantwortlich waren, die Cherubim, zu denen auch Anthriel gehörte, sowie die Throne, die einen starken Willen hatten. Auf keinem der Porträts war eine Person zu erkennen, wie man sie auf der Erde kannte. Auf diesen Bildern waren himmlische Lichter zu sehen. Jeder dieser Engel erstrahlte in einer anderen Färbung.
Es war ihr Ziel, eines Tages ein Erzengel zu werden. Wie gern würde sie diese Position bekleiden wollen! Als sie sich setzen wollte, stellte sie fest, dass die Sitzfläche der Stühle zu hoch für sie war.
»Diese Sitzgelegenheiten sind wohl eher für Erzengel als für uns Schutzengel«, seufzte sie.
Wie ein kleines Kind zog sie sich an der Lehne hoch und setzte sich darauf. Ihre Finger krallten sich an den Kanten der Sitzfläche fest, während ihre Füße in der Luft baumelten. Jessy hatte das Gefühl, dass man sie schmoren ließ. Laut stieß sie den Atem aus, da sie es vor Anspannung kaum noch aushielt.
»Jesajah. Es ist so weit.«
Jessy erschrak, als eine zauberhafte Stimme sie aus ihren Gedanken riss. Der Raum um sie herum begann sich zu verwandeln. Sie spürte, wie ihr Magen sich senkte, als wäre sie in einem schnellen Fahrstuhl, der mit zehn Metern pro Sekunde nach oben schoss. Jessy hatte ein ungutes Gefühl.
Beim letzten Mal, als sie diese Reise angetreten hatte, war ihr der Status als Engel Erster Klasse aberkannt worden. Während der Fahrt nach oben überlegte sie, was sie falsch gemacht hatte. Doch ihr wollte nichts in den Sinn kommen. Immer und immer wieder ließ sie das Geschehen in Samaels Reich Revue passieren. Zalmona, die mit dem Dolch auf Aveline, ihren Schützling, einstechen wollte. Jessy hatte sich der Gefahr in den Weg gestellt. Hatte den Stich statt Aveline entgegengenommen. Vor ihrem geistigen Auge sah sie Zalmonas entsetzten Gesichtsausdruck, als die bemerkte, dass sie Jessy statt Aveline umgebracht hatte. Danach war alles nur noch verschwommen.
Ihr Blick wanderte zu der Stelle, aus der Zalmonas Waffe geragt hatte. Nun sah alles so aus, als wäre nie etwas geschehen. Die Wunde war nicht mehr vorhanden, der Schmerz verschwunden. Hatte sie sich zu früh geopfert? Schließlich waren da noch Azrael, Samael und Nagual gewesen. Hatte Azrael Aveline doch getötet? Und Samael gar ihre Seele mit in die Unterwelt genommen? Jessy wischte sich eine Träne weg. Das flaue Gefühl im Magen verstärkte sich, als sie einen sanften Ruck spürte.
Sie war endlich am Bestimmungsort angekommen.



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